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In diesem Blog geht es vor allem um Fragen der Karriereentwicklung. Aber auch um aktuelle Themen, die Fach- und Führungskräfte in Industrie, Handel und Dienstleistung interessieren. Autoren sind Berater unseres Hauses, HR-Experten und andere Sachkundige. Ihre Fragen und Anregungen sind jederzeit gern willkommen. Zu kritischen und unkritischen Kommentierungen laden wir Sie herzlich ein. Die Hausordnung besteht aus zwei Worten: keine Taktlosigkeiten.


Mittwoch, 23. April 2014

Aus dem Leben eines Headhunters

Aus dem Leben eines Headhunters
Morgens liegt er auf dem Sofa, zur zweiten Stunde fordert er seine Stiefel..
 
 
Plinius der Jüngere schrieb vor Jahrhunderten über den Tagesbeginn eines Ruheständlers: "Morgens liegt er auf dem Sofa, zur zweiten Stunde fordert er seine Stiefel, spaziert drei Meilen, übt dabei Geist und Körper, treibt Gymnastik, badet und salbt sich. Sodann werden gewählte Gespräche mit Kandidaten geführt..“
Nicht wenige glauben, so ähnlich verliefe heutzutage auch der typische Arbeitstag eines Headhunters. Nur führe dieser seine Gespräche zeitgemäß in vornehmen Feinschmeckerrestaurants oder in den Lobbys feiner Grandhotels. Dies gilt selbstverständlich nicht für den Autor dieser Zeilen. Er überwindet den Dämon der Trägheit täglich neu, ist weitgehend bedürfnislos, fliegt nicht Business Class und ist Sommer wie Winter barfuß und ohne Mantel unterwegs. Aber ernsthaft: Den Ablauf eines Suchprojekts möchte ich Ihnen an einem Beispiel aus der Praxis beschreiben.
 

Weißer Rauch

 
Habemus Papam - Wenn eines frühen Abends, so hätte es, im übertragenen Sinne, im Februar dieses Jahres geschehen können, dem Kamin eines bekannten süddeutschen Automobilzulieferers weißer Rauch entweicht, bedeutet dies: Das Haus hat wieder einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Während der Aufsichtsrat die Bestellung offiziell absegnet, hält sich jener Mann diskret im Hintergrund, der den besten Kandidaten fand: der Headhunter.
 

Kein Überflieger, kein Windmacher auf großer Bühne

 
Blenden wir zurück: Das Gespräch des Executive Search Consultants mit dem Aufsichtsrat im Herbst vergangenen Jahres verlief zügig und unkompliziert. Das Anforderungsprofil war rasch erarbeitet. Formalausbildung: Ingenieur- oder wirtschaftsingenieurwissenschaftliches Studium. Praxis: Vertriebserfahrungen bei einem global tätigen Automobilzulieferer, strategische Unternehmensführung, Business Development. Klare Affinität zu großen Familienunternehmen (das sind jene, in denen sich, anders als in manchem Großkonzern, noch renitente Reste des gesunden Menschenverstandes halten). Persönlichkeit: Kein Überflieger, kein Windmacher auf großer Bühne. Solider, visionärer Schaffer hinter den Kulissen; mittelstandsorientierter Macher und Stratege. Diesem Profil entsprachen, so das Ergebnis intensiver Recherchen, etwa zwei Dutzend Topmanager im deutschsprachigen Raum.
Dezember 2013, kurz vor dem Jahreswechsel. Anruf bei Kandidat Nr. 17. Man kannte sich. Er hatte schon vor einiger Zeit signalisiert, dass er ansprechbar wäre. Erstinterview im Büro des Headhunters in Stuttgart. Danach Verabredung zum Essen Anfang Januar in München.

 

Konfierte Seezunge, gratinierte Lammkotelettes

 
Entrée: Variation von der Forelle an Eiermousse. Es geht zunächst um ein Update des Lebenslaufs (die Erfolgsgeschichte der Vergangenheit war ohnehin bekannt) und um die Arbeitsergebnisse in der aktuellen Position.
Hauptgang: Konfierte Seezunge, gratinierte Lammkotelettes. Es wird über Unternehmen und Aufgabe gesprochen. Über Kennziffern, Kultur, soziales Umfeld, Managementstil, Ressortverteilung, Arbeitsschwerpunkte, Erwartungen des Kontrollgremiums. Wie groß ist die Wechselmotivation? Ist Gesprächsbereitschaft vorhanden? Welche Erwartungen von Seiten des Kandidaten sind zu erfüllen? Vertragliche Formalien wie Wettbewerbsverbot, Laufzeit des Vertrags und Salär.
Dessert: Blutorange mit Buttermilch und Schokoladeneis. Weiteres Vorgehen und terminliche Situation werden geklärt. Small Talk. Wechselseitige Zusicherung von Diskretion.
 

Es wird zum Halali geblasen

 
Einige Tage später erfolgte eine umfassende schriftliche und mündliche Information des Aufsichtsratsvorsitzenden. Ein Gesprächstermin mit ihm, dem Kandidaten und dem Headhunter wurde vereinbart. Dieses Gespräch verlief positiv und wurde von allen Beteiligten als angenehm, zielführend und erfolgversprechend empfunden. Eine Präsentation vor allen Mitgliedern des Aufsichtsrats, darunter auch die Vertreter der Anteilseigner, fand Anfang Februar statt. Nach dieser Sitzung erhielt der Kandidat ein Vertragsangebot, dem er nach einigen Ergänzungen zustimmte. Der neue CEO war gefunden, die Jagd  vorbei. Es wurde zum Halali geblasen.



Berthold B. Trottnow ist seit über drei Jahrzehnten Headhunter für oberste Führungspositionen. Nach kaufmännischer Ausbildung und Studien der Wirtschaftspsychologie und Wirtschaftsinformatik hatte er zunächst  Führungsaufgaben in der Automotive- und Dienstleistungsindustrie inne, bevor er in das Beratungsgeschäft wechselte. Er gilt heute als Doyen unter den Executive Search-Beratern im deutschsprachigen Raum. Im Rahmen der von ihm 2006 ins Leben gerufenen „Karriere-Manufaktur“ bietet er Führungskräften und High Potentials einen individuellen Service.

Kommentare:

  1. Trägt der Consultant heute auch noch Maßanzug, Manschettenknöpfe und Einstecktuch?
    Nfu, H. Thorborg

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  2. re Thorborg
    Er trägt Verwantwortung.
    E.S.

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